Sunday
06.04.
18:00

Put the Roots down

Wurzeln schlagen. Wie eine Nagel in die Wand. Was für ein schöner, handwerklicher Ausdruck. Und wie schön es wäre, dazu etwas Ähnliches, wie eine IKEA – Bauanleitung zu haben. Eine Art Prozessbeschreibung. Eine DIY – Build yourself a home, die Punkt für Punkt erklärt, wie man (1.) für sich in einer fremden Kultur einen Platz finden, (2.) ein soziales Netz ausbauen (3.) und sich darauf einlassen kann. Besonders heutzutage. Besonders in Deutschland.Weiterlesen

Wurzeln schlagen. Wie eine Nagel in die Wand. Was für ein schöner, handwerklicher Ausdruck. Und wie schön es wäre, dazu etwas Ähnliches, wie eine IKEA – Bauanleitung zu haben. Eine Art Prozessbeschreibung. Eine DIY – Build yourself a home, die Punkt für Punkt erklärt, wie man (1.) für sich in einer fremden Kultur einen Platz finden, (2.) ein soziales Netz ausbauen (3.) und sich darauf einlassen kann. Besonders heutzutage. Besonders in Deutschland. Solange, bis die Durchführung eines Integrationsprozesses so einfach sein wird, wie der Aufbau eines Billy Regals, nehmen wir die wunderbare Komplexität dieses Themas als Forschungsfeld, und unsere persönlichen Erfahrungen.

Helga Lázár lebt seit 7 Jahren in Deutschland. 7 Jahre reichen dafür, dass alle ihre Körperzellen sich komplett austauschen (wissenschaftlicher Fakt!). Das bedeutet, dass Lázár soziobiologisch  gesehen schon 0% Ungarin und 100% Ein-, oder Auswanderin ist. Oder etwas dazwischen. Solche runden Zahlen lassen sie aber auf jeden Fall ein bisschen nachdenken. Ist die Verwurzelung geschafft? Jein, aber sie kennt sich schon mit dem Gefühlschaos der interkulturellen Existenz ganz gut aus. Mit Fremdheitsgefühl, Existenzangst, Anpassungszwang, aber auch mit der Zufriedenheit und Euphorie, wenn sie diese zu bekämpfen schafft. Oder wenn sie auf Verständnis und Akzeptanz findet. Oder auf Gemeinschaft mit anderen Menschen. Auch wenn der menschliche Körper sich alle 7 Jahren komplett erneuert, die frischen Zellen übernehmen die Erinnerungen der Alten. Man trägt in sich – nicht nur bildlich gesprochen – die Vergangenheit, und nicht nur seine Eigene. Da  man keine Wurzeln schlagen kann, bis man auf die Wurzeln seiner Wurzellosigkeit findet, schaut Lázár erstmal nach ihrem eigenen transgenerationalen Erbe, nach ihrer persönlichen  Familiengeschichte, bis sie darin auf zwei interessanten Frauenfiguren stößt:

Auf Erzsébet Kerkay, die Oma der Oma auf der väterlichen Seite. Vagabunde Hexenfigur der bäuerlichen Welt, die von Dorf zu Dorf gewandert und auf Bauernhöfen gearbeitet hat. Und da ist noch
die Mutter der Mutter: Erzsébet Kuglics, kräftige Arbeiterin in der Fleischindustrie, die allein in der Stadt, in der sie ihre Kinder aufgezogen hat, 16-mal umgezogen ist. Die Situation taucht in den Träumen der Mutter bis heute noch auf: sie wolle nach Hause, aber sie wisse nicht, wo sie wohnt. Blackout. Sie hat es einfach vergessen. Balladisch wandernde Frauen mit ausgeprägten Integrationsproblemen – Lázár fühlt sich in einem transgenerationalen Loop gefangen, mit dem sie sich nun konfrontieren will.

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